Ende Juni hat die Rentenkommission der Bundesregierung ihre Empfehlungen vorgelegt (ZDFheute, 2026). Einer der Vorschläge sorgt seitdem für Diskussionen: Minijobs, die von Rentenbeiträgen befreit sind, sollen weitgehend abgeschafft werden. Ziel ist, mehr Beschäftigte in die Alterssicherung einzubeziehen.

Das Anliegen ist nachvollziehbar. Für den Privathaushalt birgt es aber ein erhebliches Risiko.

Der Privathaushalt ist ein Sonderfall

Nach Angaben der Minijob-Zentrale sind derzeit rund 252.000 Minijobberinnen und Minijobber in Privathaushalten gemeldet. Nur gut 11 Prozent von ihnen zahlen Rentenbeiträge (ms-aktuell, 2026).

Diese Zahl ist klein im Vergleich zur tatsächlichen Nachfrage. Nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft nehmen rund 4 Millionen Haushalte Hilfe in Anspruch (t-online, 2025). Der weitaus größte Teil dieser Arbeit findet ohne Anmeldung statt.

Der Minijob im Haushalt ist heute oft die einzige legale Form, die für private Arbeitgeber einfach genug ist. Fällt er ersatzlos weg, droht nicht mehr soziale Absicherung, sondern mehr Schwarzarbeit.

Die Folgen tragen vor allem die Beschäftigten. Wer ohne Anmeldung arbeitet, ist nicht unfallversichert, erwirbt keine Rentenansprüche und hat keinen Schutz bei Krankheit. Es sind überwiegend Frauen, die in diesem Bereich arbeiten. Gerade für sie wäre eine Reform, die Schwarzarbeit befördert, ein Rückschritt.

Die Lösung liegt bei professionellen Anbietern

Wer die soziale Absicherung der Beschäftigten im Haushalt verbessern will, sollte nicht nur Minijobs abschaffen, sondern Alternativen stärken. Professionelle Dienstleister beschäftigen ihre Mitarbeitenden sozialversicherungspflichtig, übernehmen Organisation, Vertretung und Qualitätssicherung und nehmen den Haushalten die Arbeitgeberrolle ab.

Damit das für mehr Haushalte bezahlbar wird, braucht es eine gezielte Förderung – etwa ein Gutscheinmodell, das legal erbrachte Stunden bezuschusst. Im Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung vorgenommen, sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei haushaltsnahen Dienstleistungen zu fördern. Die Minijob-Debatte ist der richtige Moment, dieses Versprechen einzulösen (CDU, CSU & SPD, 2025).

Gleichzeitig: Reform der Pflege ohne Kabinettsbeschluss

Auch beim Pflegeneuordnungsgesetz gibt es noch keine Entscheidung. Der für den Sommer geplante Kabinettsbeschluss wurde verschoben (PflegeGuide Pro, 2026). Für Anbieter von Unterstützung im Alltag bedeutet das weiter Unsicherheit – aber auch Zeit, sich in die Debatte einzubringen.

Was Sie jetzt tun können

Für Sie als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer eines hauswirtschaftlichen Unternehmens ist diese Debatte vor allem eines: eine Gelegenheit. Die Politik sucht nach legalen, sozial abgesicherten Lösungen für Arbeit im Privathaushalt. Genau das bieten Sie.

  • Prüfen Sie Ihre eigenen Beschäftigungsverhältnisse. Wenn Sie geringfügig Beschäftigte haben, lohnt sich schon jetzt die Überlegung, wie diese Stellen künftig sozialversicherungspflichtig gestaltet werden können – etwa durch höhere Stundenumfänge. Das stärkt auch die Bindung Ihrer Mitarbeitenden.
  • Zeigen Sie, was Sie bieten. Sozialversicherte Beschäftigung, Vertretung bei Krankheit, geschultes Personal: Das sind Argumente, mit denen Sie Haushalte überzeugen, die bisher privat und ohne Anmeldung organisiert sind.
  • Machen Sie Ihre Beschäftigten sichtbar. Jeder sozialversicherte Arbeitsplatz in Ihrem Unternehmen ist ein Beleg dafür, dass legale Hauswirtschaft funktioniert.

Minijobs abschaffen allein reicht nicht. Es braucht einen legalen Weg, der sich für Haushalte rechnet – und Unternehmen wie Ihres, die ihn möglich machen.

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Quellen

CDU, CSU & SPD. (2025). Verantwortung für Deutschland: Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD. https://www.cdu.de/app/uploads/2025/04/Koalitionsvertrag-%E2%80%93-barrierefreie-Version.pdf

ms-aktuell. (2026, 22. Juni). Minijobs abschaffen? Was im Juni 2026 wirklich diskutiert wird. https://ms-aktuell.de/welt/22062026-minijobs-abschaffen-debatte-reform/

PflegeGuide Pro. (2026). Pflegeneuordnungsgesetz: Kabinettsbeschluss offen. https://pflegeguide-pro.de/ratgeber/pflegeneuordnungsgesetz-2026/

t-online. (2025, 27. September). Kampf gegen Schwarzarbeit: Deshalb soll der Staat für private Haushaltshilfen zahlen. https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_100931506/gruene-chefin-brantner-staatliche-zuschuesse-fuer-haushaltshilfen-gefordert-.html

ZDFheute. (2026, 24. Juni). Minijobs abschaffen? Wer dafür ist und warum. https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/minijobs-streichung-experten-bewertung-100.html