Die Finanzlage der Pflegeversicherung spitzt sich weiter zu. Der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, hat Ende August vor weiter steigenden Pflegebeiträgen gewarnt (ms-aktuell, 2026). Die Zahlen, auf die er sich bezieht, sind deutlich: Bereits im ersten Quartal 2026 lag das Defizit bei rund 667 Millionen Euro – trotz eines Bundesdarlehens. Für das gesamte Jahr wird ein Fehlbetrag von rund einer Milliarde Euro erwartet. Die Ausgaben wachsen in diesem Jahr um gut 9 Prozent, die Einnahmen nur um knapp 8 Prozent.

Gleichzeitig steht der Kabinettsbeschluss zum Pflegeneuordnungsgesetz weiter aus. Er wurde mehrfach verschoben, nun wird der September genannt (PflegeGuide Pro, 2026).

Unsicherheit ist teuer

Für Unternehmen, die Pflegebedürftige im Alltag unterstützen, ist diese Lage schwierig. Sie sollen Personal einstellen, ausbilden und halten. Sie sollen Wartelisten abbauen und neue Regionen versorgen. Doch niemand kann ihnen sagen, welche Leistungen ihre Kundinnen und Kunden ab Januar 2027 erhalten.

Wer nicht weiß, ob ein Teil der Nachfrage in wenigen Monaten wegbricht, investiert zurückhaltend. Das trifft am Ende die Menschen, die auf Hilfe warten.

Hinzu kommt die Verunsicherung bei den Kundinnen und Kunden. Viele fragen bereits heute, ob sie ihre Unterstützung ab dem kommenden Jahr noch bezahlt bekommen. Manche verzichten vorsorglich auf Leistungen, die ihnen zustehen. Für Anbieter heißt das: mehr Beratungsaufwand, schwankende Auslastung und schwierige Personalplanung – in einer Branche, in der Fachkräfte ohnehin knapp sind.

Sparen an der falschen Stelle verschärft das Problem

Die Finanzlücke ist real. Sie ist aber kein Argument dafür, ausgerechnet bei der frühen Unterstützung im Alltag zu kürzen. 131 Euro im Monat sind wenig im Vergleich zu den Kosten, die entstehen, wenn ein Pflegearrangement zuhause zusammenbricht. Diese Unterstützung trägt dazu bei, dass Menschen länger zuhause leben und Angehörige nicht überlastet werden.

Wer hier kürzt, verlagert Kosten in höhere Pflegegrade, in stationäre Versorgung und in die Sozialhilfe. Die Finanzprobleme der Pflegeversicherung löst das nicht.

Was die Branche jetzt braucht

  • eine zügige und verlässliche Entscheidung über das künftige Leistungsrecht,
  • ausreichende Übergangsfristen, damit Anbieter und Kundschaft sich einstellen können,
  • den Erhalt der Unterstützung im Alltag ab Pflegegrad 1.

Was Sie jetzt tun können

Unsicherheit lässt sich nicht wegplanen. Aber Sie als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer können Ihr Unternehmen so aufstellen, dass es für verschiedene Entwicklungen gewappnet ist.

  • Rechnen Sie Szenarien durch. Welcher Teil Ihres Umsatzes hängt am Entlastungsbetrag, und in welchen Pflegegraden? Was passiert, wenn Pflegegrad 1 wegfällt – und was, wenn er bleibt?
  • Stärken Sie weitere Standbeine. Selbstzahlende Haushalte, Kooperationen mit Wohnungsunternehmen oder Arbeitgebern und Angebote für Familien machen Ihr Unternehmen unabhängiger von einzelnen Leistungen der Pflegeversicherung.
  • Halten Sie Ihr Team informiert. Mitarbeitende, die verstehen, was passiert, bleiben eher – gerade in Zeiten, in denen Fachkräfte knapp sind.

Und: Machen Sie sichtbar, was Ihr Unternehmen leistet. Im September starten wir dafür eine bundesweite Initiative, mit der wir der Politik zeigen, wie groß und wie wichtig unsere Branche ist.

Stabile Pflege braucht stabile Anbieter. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass die Politik das versteht.

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Quellen

ms-aktuell. (2026, 26. August). TK-Chef Jens Baas warnt vor steigenden Pflegebeiträgen. https://ms-aktuell.de/welt/pflegebeitraege-baas-26-08-2026/

PflegeGuide Pro. (2026). Pflegeneuordnungsgesetz: Kabinettsbeschluss offen. https://pflegeguide-pro.de/ratgeber/pflegeneuordnungsgesetz-2026/