Die Reformpläne für die Pflegeversicherung sollen Milliarden einsparen. Ein neues Gutachten zeigt, wohin solche Einsparungen führen können. Im Auftrag der DAK-Gesundheit hat der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Heinz Rothgang die Folgen der geplanten Änderungen für Pflegeheimbewohner berechnet. Das Ergebnis wurde am 18. Mai vorgestellt (DAK-Gesundheit, 2026).

Das Gutachten kommt zu einem klaren Schluss. Das Geld verschwindet nicht – es wird nur an anderer Stelle bezahlt.

Die Rechnung landet bei den Kommunen

Nach den Berechnungen müssten Heimbewohner unmittelbar rund 161 Euro mehr im Monat selbst tragen. Der Anteil der Bewohner, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, könnte bis 2035 von heute 38 Prozent auf über 46 Prozent steigen. Auf die Kommunen kämen durch die Reform bis 2035 zusätzliche Sozialhilfekosten von rund 2 Milliarden Euro pro Jahr zu.

Kurz gesagt: Was die Pflegeversicherung spart, zahlen Pflegebedürftige, Familien und Kommunen.

Dasselbe Muster droht zuhause

Das Gutachten betrachtet die stationäre Pflege. Doch die Logik lässt sich übertragen. Rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen leben zuhause (Statistisches Bundesamt, o. J.). Wird dort bei der Unterstützung im Alltag gespart, steigen die Belastungen für Angehörige. Pflegearrangements brechen früher zusammen. Der Umzug ins Heim kommt schneller – und damit genau die Kosten, die das Gutachten beschreibt.

Jeder Monat, den ein Mensch sicher im eigenen Zuhause lebt, entlastet das System. Hauswirtschaftliche Unterstützung ist dafür eine der wirksamsten und zugleich günstigsten Leistungen.

Ein Vergleich, der Klarheit schafft

Der Entlastungsbetrag liegt heute bei 131 Euro im Monat. Das ist ein Bruchteil dessen, was ein Heimplatz kostet – allein der Eigenanteil, den Bewohnerinnen und Bewohner selbst tragen, liegt bereits bei über 3.000 Euro im Monat (Koch, 2026). Wenn wenige Stunden Unterstützung pro Woche den Umzug ins Heim um Monate oder Jahre hinauszögern, ist das für alle Beteiligten ein Gewinn: für die Menschen selbst, für ihre Familien und für die öffentlichen Kassen.

Diese Rechnung fehlt in der aktuellen Reformdebatte bisher weitgehend.

Wo eine Reform ansetzen sollte

Eine nachhaltige Reform stärkt den Teil des Systems, der Heimaufenthalte verhindert oder hinauszögert. Das sind vor allem:

  • frühe Unterstützung im Alltag ab Pflegegrad 1,
  • verlässliche Entlastung pflegender Angehöriger,
  • eine ausreichende Zahl professioneller Anbieter vor Ort.

Kürzungen an dieser Stelle sparen kurzfristig und kosten langfristig.

Was Sie jetzt tun können

Für Sie als Geschäftsführerin oder Geschäftsführer ist dieses Gutachten eine Chance: Es liefert eine Argumentation, die Sie in Gesprächen mit Pflegekassen, Kommunen und Politik direkt nutzen können.

  • Erzählen Sie konkrete Fälle. Wie viele Ihrer Kundinnen und Kunden leben seit Jahren dank Ihrer Unterstützung sicher zuhause? Solche Beispiele überzeugen – anonymisiert und mit Einverständnis.
  • Sprechen Sie Ihre Kommune an. Wenn Kosten bei den Kommunen landen, haben Sozialämter und Kommunalpolitik ein eigenes Interesse an einer starken häuslichen Versorgung.
  • Bringen Sie sich in die Debatte ein. Der Referentenentwurf wird in den kommenden Wochen erwartet. Jetzt ist der Moment, in dem Stimmen aus der Praxis zählen.

Pflege zuhause ist kein Kostenfaktor. Sie ist die günstigste Form der Versorgung, die wir haben – und Ihr Unternehmen ist ein Teil davon.

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Quellen

DAK-Gesundheit. (2026, 18. Mai). DAK-Gutachten: Pflegereform verschärft Armutsrisiko [Pressemitteilung]. https://www.dak.de/presse/bundesthemen/politik-unternehmensnachrichten/dak-gutachten-pflegereform-verschaerft-armutsrisiko_169422

Koch, J. (2026, 8. April). Pflege-Reform 2026: Pflegegrad 1 bleibt – Zugang zu Leistungen wird schwieriger. rentenbescheid24.de. https://rentenbescheid24.de/pflege-reform-2026-pflegegrad-1-bleibt-zugang-zu-leistungen-wird-schwieriger/

Statistisches Bundesamt. (o. J.). Pflegebedürftige in Deutschland. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html